Foresight Utopisch & Dystopisch
Ein ungewöhnliches Duo: der KI-Pionier Kai-Fu Lee und der Science-Fiction-Autor Chen Qiufan. Zusammen entwerfen sie zehn Kurzgeschichten, die rund zwanzig Jahre in der Zukunft spielen — jede gefolgt von einer nüchternen Analyse der Technik dahinter (Deep Learning, Deepfakes, autonome Waffen, KI in Bildung und Gesundheit). Fiktion und Prognose Hand in Hand.
Die KI-Zukunft ist weder reine Utopie noch sicherer Untergang — sie ist eine Reihe von Entscheidungen, die sich in konkreten Szenarien entfalten. Indem das Buch die abstrakte Angst in erzählte, überprüfbare Situationen übersetzt, macht es aus Panik gestaltbare Fragen. Zukunft wird verhandelbar, sobald man sie sich konkret vorstellen kann.
Wer die Zukunft nur fürchtet, überlässt sie anderen. Wer sie sich vorstellt, kann sie gestalten.
Für Führungskräfte und Teams, die die Zukunft spüren wollen, statt nur über sie zu abstrahieren. Für alle, die Szenarioarbeit machen — und für alle, die KI-Debatten satthaben, in denen niemand konkret wird.
Das ist Szenariodenken in Reinform — dieselbe Haltung wie bei Schwartz, nur auf KI gemünzt: nicht eine Zukunft vorhersagen, sondern zehn durchspielen. Genau diese Übung steckt hinter der Zukunft-führen-Uhr: früher hinsehen, mehrere Zukünfte gleichzeitig denken, im handhabbaren Rahmen bleiben. Ein Buch, das man mit dem Team liest, nicht allein.
→ Dazu passend: Schwartz, „The Art of the Long View"Lees Prognosen sind spürbar optimistisch — bei Zeithorizonten und bei den Schattenseiten schaut er gern auf die freundliche Variante. Und die Geschichten sind literarisch ungleich stark. Als Werkzeug, die Zukunft besprechbar zu machen, ist das Buch trotzdem konkurrenzlos.