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KI · Urteilskraft Beides

Weiß die KI, dass sie nichts weiß?

Katharina Zweig · 2025 · Heyne · 272 Seiten · Untertitel: „Wofür wir Chatbots und KI-Agenten nutzen sollten, wo sie sich irren und wo wir aufpassen müssen"

Worum es geht

Katharina Zweig ist Informatikprofessorin und eine der wenigen Stimmen im deutschsprachigen Raum, die KI erklären kann, ohne sie zu verkaufen oder zu verteufeln. Ihr Buch nimmt eine einzige Frage ernst: Was tut ein Sprachmodell eigentlich, wenn es aussieht, als würde es denken? Die Antwort fällt nüchterner aus, als der Markt es gern hätte — und sie hat unmittelbare Folgen für jede Organisation, die gerade Agentensysteme einführt.

Die Kernidee

Ein Sprachmodell kann im menschlichen Sinne weder zusammenfassen noch vergleichen, analysieren oder bewerten — auch wenn das Ergebnis genau so aussieht. Es erzeugt wahrscheinliche Fortsetzungen, keine Urteile. Zweigs Warnung gilt deshalb besonders den KI-Agenten, die auf solchen Modellen aufsetzen: Wer eine Maschine Entscheidungen vorbereiten lässt, die sie strukturell nicht treffen kann, baut Fehler in Prozesse ein, die niemand mehr sieht — weil das Ergebnis fertig und plausibel aussieht.

Menschliche und maschinelle Leistung sehen im Ergebnis gleich aus. Sie sind es nicht.

Für wen

Für Führungskräfte, die entscheiden sollen, wo KI in ihre Abläufe darf, und dafür eine Grundlage brauchen, die weder aus einer Werbebroschüre noch aus einem Untergangsszenario stammt. Besonders für alle, die gerade über Agenten nachdenken: Dieses Buch ist die günstigste Form der Vorsicht.

Krauters Blick

Dieses Buch trifft genau die Stelle, an der die meisten KI-Vorhaben scheitern — und zwar nicht an der Technik. Die aktuellen Erhebungen zeigen, dass Unternehmen fast ihr gesamtes KI-Budget in Datenqualität, Integration und Befähigung stecken, aber nur rund ein Prozent Agenten durchgängig in mehreren Kernprozessen betreibt. Zweig erklärt, warum das so ist: Wer nicht versteht, was die Maschine tatsächlich tut, kann auch nicht entscheiden, wo sie hingehört.

Der Satz, der mir beim Lesen im Kopf blieb, steht in meinem eigenen Buch: Die KI ist der Schlüssel — sie entscheidet wenig von sich aus. Zweig liefert dazu die technische Begründung. Für Führung folgt daraus eine unbequeme Aufgabe: Nicht das Modell auswählen, sondern die Stellen benennen, an denen ein Mensch das Ergebnis prüfen muss, bevor es weiterläuft.

→ Passend dazu: Co-Intelligenz

Ehrlich gesagt

Das Buch erklärt hervorragend, was Sprachmodelle nicht können — wie man sie produktiv einsetzt, erfährt man fast nicht. Wer bereits tief in der Anwendung steckt und nach Vorgehensweisen sucht, wird enttäuscht sein. Es ist ein Buch für die Entscheidung vor dem Einsatz, nicht für die Arbeit danach. Wer den KI-Boom von Anfang an mit Unbehagen verfolgt hat, findet hier allerdings die sauberste verfügbare Begründung dafür.

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Gelesen für Führung — eine kuratierte Auswahl von Dr. Jörg Krauter, Managing Partner der SYNK Group. Keine bezahlten Empfehlungen, keine Affiliate-Links.