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Psychologische Sicherheit

Psychologische Sicherheit ist die von den Mitgliedern eines Teams geteilte Überzeugung, dass das Team sicher ist, um zwischenmenschliche Risiken einzugehen. Konkret: dass niemand blossgestellt, bestraft oder ausgelacht wird, wenn er eine Frage stellt, einen Fehler zugibt, eine Sorge äussert oder eine ungewöhnliche Idee vorschlägt.

Den Begriff prägte die Harvard-Professorin Amy C. Edmondson 1999 in einer Studie über Krankenhaus-Teams. Ihre Beobachtung war zunächst überraschend: Die besten Teams meldeten mehr Fehler, nicht weniger – nicht weil sie schlechter arbeiteten, sondern weil sie Fehler offen ansprechen konnten und dadurch schneller lernten.

Was psychologische Sicherheit nicht ist

Psychologische Sicherheit ist nicht Harmonie, nicht Nettigkeit, nicht Konfliktvermeidung. Sie ist das Gegenteil: die Grundlage dafür, dass Menschen offen widersprechen, unbequeme Fragen stellen und schlechte Nachrichten früh aussprechen. Wo sie fehlt, schweigen Menschen – und Schweigen ist in einer instabilen Welt teuer.

Die Forschung: Google Project Aristotle

2015 untersuchte Google im Projekt „Aristotle“ 180 Teams, um herauszufinden, was Hochleistungsteams ausmacht. Das Ergebnis bestätigte, was Edmondson seit 1999 argumentiert hatte: Der stärkste Einzelfaktor für Teamleistung war nicht Intelligenz, Erfahrung oder Ausstattung, sondern psychologische Sicherheit.

Was das für Führung heißt

Psychologische Sicherheit entsteht nicht durch ein Plakat im Flur, sondern durch das Verhalten der Führungskraft im entscheidenden Moment: wie sie auf eine kritische Frage, einen zugegebenen Fehler, eine abweichende Meinung reagiert. Jede dieser Reaktionen ist ein Signal – und die Summe dieser Signale entscheidet, ob ein Team lernt oder verstummt. In einer BANI-Welt, in der niemand alle Antworten hat, ist das keine weiche Zusatzkompetenz, sondern eine harte Führungsleistung.

Erklärt von Dr. Jörg Krauter, Autor von „Zukunft führen – Wenn die Welt nicht stabil bleibt“ und Geschäftsführender Gesellschafter der SYNK Group. Psychologische Sicherheit ist eines der Kernkonzepte des Buchs – sie trägt gerade dort, wo es unter Druck darauf ankommt.